Wie so oft, wenn etwas Neues entsteht, beginnt auch diese Geschichte mit einer ungewöhnlichen Anfrage. Robatech Südafrika wurde von EnviroWrap kontaktiert, einer Firma, die Oberflächenschutzmaterialien herstellt. Sie hatten ein neues Material entwickelt, das ähnlich wie Hotmelt aufgeschmolzen und dann in flüssigem Zustand aufgetragen wird. Es härtet schnell aus und lässt sich anschliessend rückstandsfrei wieder abziehen und wiederverwerten. EnviroWrap kam mit der Frage auf uns zu, ob dieses Material mit einem Klebstoff-Auftragssystemen von Robatech aufgetragen werden könnte.
Für mich als Managing Director von Robatech Südafrika war sofort klar, dass es sich hier um eine interessante Innovation handelte. So machten wir uns daran, dieses Material mit unseren Auftragssystemen zu testen. Erfreulicherweise verhält sich EnviroWrap – das Material heisst gleich wie die Firma – tatsächlich wie ein Hotmelt. Das heisst, es lässt sich problemlos mit einem herkömmlichen Schmelzgerät aufschmelzen und mit unseren Auftragsköpfen applizieren. Die zentrale Frage war daher nicht, ob sich das Material verarbeiten lässt, sondern:
EnviroWrap: Nachhaltige Alternative zu Schutzfolie
Im Vergleich zu herkömmlichen Schutzfolien ist EnviroWrap lösungsmittelfrei und frei von VOC-Emissionen. Damit ist es gegenüber Lacken oder Klebefolien per se umweltfreundlicher. EnviroWrap wird dünn aufgetragen, so dass insgesamt weniger Material verbraucht wird als bei Klebefolien. Nach der Verwendung kann EnviroWrap recycelt werden – es wird einfach wieder eingeschmolzen und kann so bis zu sechsmal wiederverwendet werden.
Die Anforderung war klar: EnviroWrap sollte flächendeckend auf zu schützende Oberflächen wie Profile, Fenster oder Kühlschränke aufgetragen werden. Also machten wir uns bei Robatech Südafrika ans Testen und Ausprobieren. Und zwar in enger Zusammenarbeit mit dem Project Sales Team am Hauptsitz in der Schweiz ((PST-Blog verlinken)). Das Project Sales Team PST ist Robatechs Team für kundenspezifische Anwendungen jenseits des Standards. Ohne dieses Team hätte dieses Projekt vermutlich hier geendet. Denn innovative Lösungen erfordern nicht nur technisches Know-how, sondern auch praktische Erfahrung und ein gut ausgerüstetes Anwendungszentrum.
Wir haben uns bewusst für einen Sprühauftrag entschieden, da sich damit auch komplexe oder räumliche Bauteile gleichmässig beschichten lassen. Ausgehend vom Sprühkopf Aero bestimmten wir in unzähligen Tests die Auftragsparameter: das heisst die Auftragstemperatur, die die Viskosität des Materials bestimmt, aber auch die richtige Auftragsmenge, die Sprühdistanz, die Art der Sprühdüse, der Sprühluftdruck und nicht zuletzt die Anordnung und Anzahl der Sprühköpfe.
Industrieller Sprühauftrag für abziehbare Schutzbeschichtungen
Was für eine Gesamtlösung noch fehlte, war eine Anlage, um EnviroWrap industriell auftragen zu können. Da es sich um eine völlig neue Anwendung handelte, gab es keinen Maschinenbauer, der so etwas schon einmal gemacht hatte. Kurzerhand gründete ich 2023 gemeinsam mit meinem Kollegen Franso Groenewald deshalb die Firma RPS Automation, mit dem Ziel, massgeschneiderte Maschinen für den Auftrag von EnviroWrap zu entwickeln. RPS Automation arbeitet eng mit EnviroWrap und Robatech zusammen. Erst durch die Kombination aus Material, geeigneter Auftragstechnologie und Prozess‑Know‑how entstand eine Komplettlösung für den industriellen Oberflächenschutz, die es so zuvor nicht auf dem Markt gegeben hatte.
Auch wenn sich die Technologie noch in einer frühen Phase befindet, haben wir bereits unsere ersten Systeme erfolgreich implementiert. Derzeit sind in den USA mehrere Systeme im Einsatz – um unter anderem zum Schutz von Aluminiumprofilen und Fenstern während der Produktion, des Transports und der Montage.
In den ersten Anwendungen kamen einzelne kleinere Aero‑Sprühköpfe zum Einsatz, die auf die jeweilige Aufgabe zugeschnitten waren. Für grössere Flächen wie z. B. amerikanische Kühlschränke entwickelte das Project Sales Team eine Anordnung mit mehreren Sprühköpfen, deren Sprühmuster sich so überlappt, dass eine geschlossene, zusammenhängende Schicht entsteht. Damit gelang es uns, auch grosse und unebene Flächen gleichmässig zu beschichten.
Für Anwendungen auf grossen Bauteilen – etwa für Fenster oder Profile – wird der Sprühkopf zusätzlich in ein robotergestütztes System integriert. Dadurch lassen sich auch komplexe Geometrien automatisiert und mit gleichbleibender Qualität beschichten.
Robotergestützter Sprühauftrag von EnviroWrap
Nach mehreren Jahren Entwicklungsarbeit stehen wir heute an einem Punkt, an dem sich das Zusammenspiel aus Material, Applikation und Maschine in der Praxis bewährt. Gerade in der Bauindustrie zeigt sich das Potenzial dieser Technologie deutlich: Bauteile sind oft über längere Zeit unterschiedlichsten Einflüssen ausgesetzt und müssen dennoch in einwandfreiem Zustand beim Kunden ankommen. Die abziehbare Schutzbeschichtung bietet hier eine Alternative zu klassischen Folien – insbesondere, weil sie sich auch nach längerer Zeit einfach entfernen lässt und keine Rückstände hinterlässt.
Gleichzeitig eröffnet die Technologie Perspektiven über diese Anwendungen hinaus. Denkbar ist der Einsatz überall dort, wo empfindliche Oberflächen temporär geschützt werden müssen, etwa bei hochwertigen Komponenten oder in der Automobilindustrie, beispielsweise beim Schutz von Felgen bis zur finalen Auslieferung.
Und für mich zeigt diese Entwicklung eindrücklich, dass Innovation nicht im Alleingang entsteht, sondern in enger Zusammenarbeit. Was wir erreicht haben – EnviroWrap, Robatech und RPS Automation – das haben wir gemeinsam erreicht. Und ich bin überzeugt: Das ist erst der Anfang dessen, was durch diese Zusammenarbeit noch möglich wird.